Zu meiner Fotopraxis

vorweg:

Viele betrachten die Fotografie von Vögeln mehr von der technischen Seite. Das ist sicher unumgänglich, jedoch nur die halbe Wahrheit.

Es fängt ja zunächst damit an, seine Protagonisten zu finden. Unter den Fotografen mit etwas höheren Ansprüchen (dazu zähle ich mich inzwischen auch) scheint es 2 Richtungen zu geben. Die erste, die an komerziellen Hides, also mehr oder weniger feste Verstecke, an denen man gegen "gute" Bezahlung auch seltene Arten sehr gut fotografieren kann und sich die Mühe der eigenen Suche erspart.

Die Anhänger jener Richtung kommen in der Regel schnell zu erstklassigen Ergebnissen. Da der Versteckbetreiber jedoch von einem Fotografen nicht leben kann, lädt er viele ein. Die Folge sind zwar brilliante Fotos, jedoch ohne eigenen Charakter, da viele andere ein sehr ähnliches Foto haben.

Die andere Richtung der Vogelfotografie ist wohl jene, bei der sich die Fotografen ihre Protagonisten selbst suchen. Sehr mühsam und oft  mit überschaubarem Erfolg, jedoch bei Gelingen der Aufnahmen mit unheimlicher Befriedigung für den Fotografen. Ich bin eher Anhänger dieser Richtung.

Unabdingbar sind dafür aber ein Gespür für die Natur als Solche und feldornithologische Kenntnisse. Wie will man denn sonst wissen, wo welcher Vogel zu erwarten ist? Gott sei Dank, das ist mir gegeben. Bei wem dies noch ausbaufähig ist, dem sei das Begleiten von Feldornithologen empfohlen. Hier bekommt man erst das richtige Gefühl für die verschiedenen Habitate.

 

 

zur technischen Ausrüstung:

Raufußbussard: Canon EOS 7D Mark II;  Canon EF 500mm f/4L IS II USM + 1.4x;  f5.6;   1/1000;  ISO 320;  +1/3EV
Raufußbussard: Canon EOS 7D Mark II; Canon EF 500mm f/4L IS II USM + 1.4x; f5.6; 1/1000; ISO 320; +1/3EV

 

Die erste Spiegelreflexkamera legt meist die Marke für viele Jahrzehnte fest. Ein Bekannter empfahl mir das Canon-System.   Meine erste Kamera war dann die EOS 50 E. In Kombination mit dem Sigma APO Macro 5,6/400 hatte ich für einen Anfänger zufriedenstellende Ergebnisse.

Mit dem Siegeszug der Digital-Fotografie hatte dann die EOS 300 D bei mir Einzug gehalten und ich war begeistert. Das Objektiv wurde von Sigma kostenlos „gechipt“ und so war es weiterhin gut nutzbar. Sogar in Verbindung mit dem 1.4x-Konverter von Sigma erbrachte dies zunächst ausreichend Brennweite. Dennoch wollte ich die Qualität steigern und das Canon EF 400mm : 1,5,6 L USM bietet hervorragende Qualität zum kleinen Preis. In Kombination mit der EOS 650 D lässt sich da schon etwas machen, sofern der Wille und Erfahrung des Fotografen groß genug ist. Und die 650 D macht als Reservekamera immer noch eine gute Figur.

Dennoch ist der Wunsch nach mehr Brennweite unstillbar gewesen und das Tamron SP 150-600mm 1:5-6,3 Di VC USD kam auf den Markt. Einige Fotografen hatten damit perfekte Aufnahmen gemacht. Ich selbst konnte zwar auch einige gute Fotos machen, insgesamt war ich aber eher unzufrieden, besonders ab 500 mm aufwärts. Da gelang eigentlich kaum ein knackig scharfes Foto. Aber genau wegen der langen Brennweite hatte ich es ja gekauft.

Man kann sich lange ärgern oder die Konsequenz ziehen und sich trennen. Das tat ich dann auch und langte beim Canon  EF 500mm 1:4 L IS II USM zu, denn ich habe es zu einem sehr guten Preis erstehen können. Ich bin begeistert! Der Stabilisator ist ein Traum, weil auch differenziert nutzbar. Ich nutze das Objektiv mit der 7D Mark II und gelegentlich den Canon-Konvertern.

 

Gott gab mir die Geduld auf die 7D Mark II zu warten zu können. Ich glaube für damals (2014) etwas über 1600 € bekam ich dann auch eine der Ersten. Nach anfänglicher Begeisterung über die angenehme Handhabung und den Verzicht auf ein klappbares Display und den Touchscreen (geht nur schneller kaputt), ließ diese aber kurzzeitig nach, weil die Einarbeitung in das Bedienkonzept doch etwas komplexer war, als vermutet. Noch immer nutze ich nicht alles was Canon dort eingerichtet hat und so bleibt sicher noch die ein oder andere Reserve für Verbesserungen.

Einige 1er Nutzer meinen, mit der 7IIer könne man keine wirklich scharfen Fotos machen. Das sehe ich anders und stelle mal diese Zwergdommel als Beleg dazu (so gut es eben mit verkleinerten Fotos geht):

 Zwergdommel: Canon EOS 7D Mark II;  Canon EF 500mm f/4L IS II USM ;  f4;   1/1600;  ISO 160;  0EV
Zwergdommel: Canon EOS 7D Mark II; Canon EF 500mm f/4L IS II USM ; f4; 1/1600; ISO 160; 0EV

Dennoch wollte ich mir eine Kamera gönnen, mit der ich auch mit etwas weniger Licht auskomme und so blieb dann ja nur eine "Vollformatkamera" zu probieren.

Canon EOS 7 D Mark II oder EOS 5 D Mark III ?

 

Es ist immer schwierig sich ein Bild über Kameras zu machen, wenn man diese aber nicht im Einsatz hat. Datenblätter sind gut und schön, ersetzen jedoch nicht die echte Erfahrung. So lieh ich mir eine EOS 5D Mark III aus und probierte mich an Turmfalken.

Turmfalke:  Canon EOS 5D Mark III; Canon EF 500mm f/4L IS II USM + 1.4x ;   f6.3;    1/8000;     ISO 2000;  0EV
Turmfalke: Canon EOS 5D Mark III; Canon EF 500mm f/4L IS II USM + 1.4x ; f6.3; 1/8000; ISO 2000; 0EV

 

Die für mich größten Vorteile der 5D Mark III

 

Der Sensor:

Es ist fantastisch mit ISO 2000 im Abendlicht noch fotografieren zu können, ohne, dass das Foto inakzeptabel schlecht wird. Die Rauscharmut ermöglicht besonders in den interessanten (goldenen) Stunden eine echte Erweiterung der fotografischen Möglichkeiten.

 

Freistellungspotenzial?

Die geringere Tiefenschärfe (manche bringen es mit dem damit entstehenden Bokeh auf den Punkt) ist in vielen Fällen der Vogelfotografie ein Vorteil. Dies sehe ich bei  Wasser- und Strandvögeln besonders  gegeben.

 

 

Die für mich größten Vorteile der 7D Mark II:

 

Die Serienbildgeschwindigkeit:

10 Bilder je Sekunde – das ist doch was und selbst wenn sich dies in der Praxis etwas verringert, mit 8 bis 9 wäre ein Vogelfotograf auch schon gut bedient. Zumal Canon mehr wohl nur den 1er Modellen gönnt.

 

Der Crop-Faktor:

Es ist ja hinlänglich bekannt, dass sich die Brennweite nicht wirklich verändert und es entbehrt jeder Notwendigkeit, hier noch eine weitere Diskussion zu führen, ob denn nun der adäquate Ausschnitt eines KB-Sensors die gleiche oder bessere Qualität hat, wie/als der kleinere, aber dafür voll ausgefüllte APS-C –Sensor. Für mich als Fotograf ist es jedenfalls schon psychologisch wichtig, den Vogel auch im Sucher noch etwas größer zu haben. Und je größer das Objekt im Sucher, desto zuverlässiger die Fokussierung, denn ich sehe ja die potentielle Trefferfläche besser. Da beißt die Maus auch keinen Faden ab!!

 

 

Die AF-Punkteverteilung:

Hier hat mir die 7D Mark II doch große Freude gemacht und tut es immer noch. Langhalsige und langbeinige Vögel kann ich hiermit viel besser fokussieren als bei der 5D Mark III. Diese hat zwar nur unwesentlich weniger AF-Punkte, doch sind diese enger und mittiger verteilt. Das hilft wenig, wenn man einen Vogel möglichst diagonal auf den kompletten Sensor bringen will.  Für mich ist dieser Punkt sogar sehr enttäuschend. Ein sehr klares Plus für die 7D Mark II.

 

 

Die AF-Leistung an sich:

Zaubern kann der AF auch hier nicht, ist m.E. dennoch eine deutliche Schippe zupackender als bei der 5D Mark III besonders bei bewegten Motiven. Hier auch ein Vorteil für die 7D Mark II. Dies ist meine sicher subjektive Feststellung.

 

Das Fazit:

Es stellt sich für mich nicht die Frage, ob 7D Mark II oder 5D Mark III (wäre dies so, dann würde ich mich klar wieder für die 7D Mark II entscheiden), sondern vielmehr, wann die 7D Mark II durch eine 5D Mark III ergänzt wird. Die 7D Mark II würde für mich erst verzichtbar, wenn ich Teleobjektive ab 600mm nutzen könnte. Dann aber fehlten immer noch die Vorteile der 7D Mark II wie Serienbildgeschwindigkeit und sehr guter Autofokus mit entsprechender Verteilung.

Dies kann aber nicht durch eine 5D Mark III sondern nur durch eine 1er (der aktuellen Stufe) aufgewogen werden, was zusammen mit einer Festbrennweite jenseits von 500 mm für mich unverhältnismäßig teuer ist.

Dazu käme, dass die Ausrüstung (auch das Stativ) noch klobiger und schwerer und damit für die geliebte Pirsch unbrauchbarer würde. So etwas würde ich mir nur holen, wenn ich das Geld dafür übrig hätte oder mit Fotos mein Geld verdienen müsste. Dann wäre es aber sicher auch unumgänglich, aber der Fall liegt hier nicht vor.

Dennoch reizt mich die Vollformatkamera und die 5D Mark III ist die, die mir da am nächsten steht. Trotz ihrer Nachteile gegenüber der 7D Mark II bieten sich Ihre Vorteile für mich in den Nischen an, in denen es um „die künstlerische Note“ geht.  Wenn also das Fotoobjekt berechenbar und geeignet ist, dann ist der Einsatz der 5D Mark III sicher geboten.

Und so wird es wohl so kommen, dass ich mit dem Erscheinen der 5D Mark IV das Schnäppchen des Auslaufmodells (so dies dann auch ein wirkliches Schnäppchen würde) gönnen werde. So lange werde ich auch allein mit der 7D Mark II sicher gut aufgehoben sein. (Kleines Update: die 5er ist inzwischen als Ergänzung in meinen regelmäßigen Gebrauch eingeflossen).

 

Und das Objektiv?

 

Viel wichtiger als die Kamera ist für mich das Objektiv. Ich habe viele Bekannte die das Canon EF 500mm 1:4 L IS USM nutzen. Ich sehe hier keinen Unterschied zu Fotos mit dem Canon EF 500mm 1:4 L IS II USM. Ich habe zunächst auch nach gebrauchten Objektiven gesucht, die Preise sind jedoch fast so hoch wie die Nettopreise des Canon EF 500mm 1:4 L IS II USM. Da habe ich mich dann doch für das neue Modell entschieden. Dies auch in Hinblick auch Gewährleistung, spätere Ersatzteilverfügbarkeit und der leichteren Bauweise. Eine Entscheidung, die ich bislang nicht bereute. Auch in Verbindung mit dem 1,4x Extender bin ich sehr zufrieden.

So scheine ich nach langer Suche zur passenden Ausrüstung gefunden zu haben und kann

diese ruhigen Gewissens weiterempfehlen.

 

Die Canon-Extender

EOS 5 D Mark III; EF 4,0/500L IS II;  EF 1,4x III: ISO 2000; 1/3200tel; -1/3 EV
EOS 5 D Mark III; EF 4,0/500L IS II; EF 1,4x III: ISO 2000; 1/3200tel; -1/3 EV

Ich mochte Extender eigentlich nie! Viele schwören jedoch darauf und ich muss zugeben, dass einige Fotografen damit auch sehr gute Fotos machen. Der APS-C Cropfaktor macht diese auch fast gänzlich entbehrlich. Ich nutze an der 7D Mark II auch (wenn überhaupt) in Verbindung mit dem  EF 500mm 1:4 L IS II USM nur den EF 1,4x III.

Mit Erwerb der 5D Mark III gewannen sie für mich jedoch an Bedeutung. Dies liegt an der ISO-Performance. Da kann man mit etwas weniger Licht gut leben. Bei der Verwendung des 1,4x lassen sich meines Erachtens auch noch vergrößerungsfähige Fotos machen. Alle AF-Funktionen bleiben sowohl bei der 7D Mark II als auch bei der 5D Mark III erhalten.

Mit dem 2er wird es da schon dünn. Ich habe noch nicht genug Erfahrungen gesammelt, jedoch zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die Qualität bei mir hinter Fotos, die ich in Kombi des EF 1,4x III mit der 7D Mark II mache, zurückbleibt.

Dennoch sehe ich dessen Anschaffung nicht als totale Fehlinvestition. Der 2er ist für mich die hervorragende Ergänzung zur Verwendung der 5er am 500er zu ornithologischen Dokumentationen bei schlechtem Licht. ISO 5000 ermöglicht selbst bei wirklich schlechtem Wetter (siehe Seeadler) eine, für den Ornithologen, brauchbare Leistung bei einer (üblichen) Verkleinerung auf 900er Kantenbreite. Das taugt nicht für den Fotovortrag, im Falle einer Seltenheit jedoch alle Male für eine Veröffentlichung in einem Seltenheitenbericht.

EOS 5 D Mark III; EF 4,0/500L IS II;  EF 2x III: ISO 5000; 1/1000tel; +1/3 EV   (kleines Bild zeigt das unbeschnittene Foto)
EOS 5 D Mark III; EF 4,0/500L IS II; EF 2x III: ISO 5000; 1/1000tel; +1/3 EV (kleines Bild zeigt das unbeschnittene Foto)

 

Die Frage, ob ich mir beide Extender noch einmal kaufen würde?

 

Den EF 1,4x III auf jeden Fall, den EF 2x III eher nicht (so viele Seltenheiten gibt es nun auch wieder nicht), aber vielleicht überzeugt er mich ja noch - warten wir's ab.

 

Brauche ich die EOS 5D Mark IV?

 

Na zunächst sage ich mal nein. Das trifft aber auch auf die Vorgängerin zu, ja sogar auf die ganze Ausrüstung, denn ich lebe ja nicht von der Fotografie.

Was aber könnte reizen? Naja, die 30,4 Megapixel bei mindestens so guter Rauscharmut wie die Mark III (das bestätigen befreundete Fotografen, die sich die Mark IV schon angeschafft haben), das wär schon schön. Dadurch lässt sich sicher etwas für Ausschnitte gewinnen. Die Serienbildrate ist wohl vernachlässigbar. Ob 6 oder 7 Bilder je Sekunde - das macht den Kohl nicht fett. Auch die Erweiterung der AF-Felder ist eher schmal ausgefallen und nicht der große Wurf. Volle Funktionsfähigkeit jener auch bei Verwendung des Canon-Telekonverters (hier: 2fach-Extenders) am 4,0/500 ist sicher schön, da ich diesen aber nur in Ausnahmesituationen nutze, ist dieser Punkt auch nicht so entscheidend für mich.

Ich denke, dass ein sehr guter Überblick über die technischen Möglichkeiten der EOS 5D Mark IV findet sich auf  http://www.traumflieger.de/reports/Kamera-Tests/Canon-EOS-DSLR/EOS-5D-Mark-IV/Canon-EOS-5D-Mark-IV-im-Test::1209.html. Damit ist aber noch wenig über den praktischen Mehrwert für Vogelfotografen gesagt. Dazu bietet sich ein Blick in diverse Naturfotoforen an, bei denen die Fotografen auch Angaben zu ihrer Technik preisgeben. Man wird sehen, es gab schon Top-Fotos, bei denen es noch nicht einmal die EOS 5D Mark III oder die EOS 1 Dx gab. Es ist also mehr die Aufnahmesituation, die über die Qualität der Bilder entscheidet, als das letzte Technik-Update.

Es gibt also derzeit keinen Grund für mich, panisch auf den Zug aufzuspringen. Erst wenn die 5D Mark III kaputt ist, dann wird es wohl unumgänglich sein. Bis dahin hat sich der Preis hoffentlich auch deutlich gesenkt (derzeit ca. 3500 € brutto).

Wenn man sich vergegenwärtigt, was man mit dem Geld noch so alles anfangen könnte, dann fällt es sicher leichter den bösen "will-ich-haben-Virus" zu besiegen.