Die Wiesenweihe ist ein sehr seltener Brutvogel im Oderbruch. Ihre Brutplätze sind nicht über Jahre an bestimmte Orte gebunden, sondern hängen vielmehr vom Nahrungsangebot, bedingt durch die Landbewirtschaftung ab. Dennoch gibt es im Oderbruch scheinbar Schwerpunkte des Brutvorkommens.
Der Bruterfolg des einzelnen Paares ist durch Sicherungsmaßnahmen deutlich gestiegen. Hier ist Simone Müller mit ihren Mitstreitern großer Dank geschuldet (http://www.weihenschutz.eu/). Sie hat die Suche nach den Wiesenweihen und deren nachfolgenden Schutz regelrecht professionalisiert.
Es ist schwer, die Nester rechtzeitig zu finden. Sie müssen aber gefunden werden um Naturschutzbehörde und Landwirt zu kontaktieren und den praktischen Schutz gegen Beutegreifer und landwirtschaftliche Nutzung umsetzen zu können.
Wenn sich ein Paar für einen ungefähren Niststandort entschieden hat, sind beide Partner in dessen Umfeld regelmäßig zu sehen. Es wird Nistmaterial eingetragen. Sobald das erste Ei gelegt ist, sieht man das Weibchen seltener und sobald die Brut begann, nur bei der Nahrungsübergabe. Das Männchen ist dann anfangs ganz früh am Morgen noch kurz in Nestnähe und begibt sich dann auf Nahrungssuche. In dieser Zeit ist es besonders schwer die Nester zu orten, da man durchaus 100 Meter neben den Nest eine Stunde verbringen kann ohne auch nur einen Hinweis darauf zu haben, dass in der Nähe eine Wiesenweihe brütet.
Bei der Beobachtung kann man aber auch mit etwas Glück zu Ringablesungen kommen. Das Weibchen auf den obigen Fotos konnte in der Gemeinde Letschin im Jahr 2025 so fotografiert werden, dass der Farbring erkannt wurde. Sie wurde 2016 als nestjunger Vogel nahe der Stadt Mordy (Ostpolen) beringt ( über 8 Jahre lang wurde der Ring nirgendwo erkannt ) und nun brütet sie in der Gemeinde Letschin 555 km westlich.
So kann das Nest vor dem Ausmähen, aber auch vor Fuchs & Co bewahrt werden (jedenfalls oft - klappt leider nicht immer).
Die Beringung der Jungvögel ist natürlich auch eine gute Gelegenheit Kinder an den Wiesenweihenschutz heranzuführen. Zumindest wissen sie auch später noch, dass es diese Vögel gibt und wo sie brüten. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere dann doch an seine Kindheit und macht sich später im Schutz dieser Vögel verdient.
Aber auch am Boden verteidigen die Wiesenweihen die Nestumgebung. Auch gegen harmlose Tiere. Dem Stockerpel wurde zunächst gedroht (das Weibchen macht sich groß) und dann flog sie die Scheinattacke. Nun ist der Erpel viel schwerer als die Wiesenweihe, aber es machte Eindruck.
Die Wiesenweihe ist wohl die Greifvogelart, die ich am häufigsten fotografierte. Die Fülle der Fotos täuscht etwas darüber hinweg, dass es in der Regel nicht leicht ist, diese Art "aufbaumend" in gutem Licht abzulichten. Ich hatte schlicht in einem Jahr großes Glück, dass einige Paare dicht an einem landwirtschaftlichen Weg brüteten und die dortigen Pfähle am Wegesrand gern als Ansitz nutzten. An Autos waren sie gewöhnt, da konnte man mal etwas machen.